Kärnten Blog

Von Kirschblüten, Kletzenbrot und den Klöcklern vom Gegendtal

Veröffentlicht am 03. Dezember 2015 von

In der Zeit um Weihnachten sind die Bäuerinnen besonders fleißig und da weiß so manche Bäuerin von traditionellen Speisen und Bräuchen zu berichten. So ist kein Urlaubsbauernhof ohne Adventkranz, denn das ist Brauch in Kärnten. Der Adventkranz wird von der Bäuerin selbst aus frischen Tannenzweigen gebunden und verziert, obenauf kommen vier Kerzen, eine für jeden Adventsonntag.

Weihachten bei Urlaub am Bauernhof in Kärnten (Foto: Urlaub am Bauernhof in Kärnten)

Früher ließen die Bäuerinnen in Kärnten an den langen Winterabenden die Spinnräder surren und die Stricknadeln klappern während im Ofen das Feuer knisterte. Stricken ist heute wieder modern, sogar bei den jungen Leuten. Auch Gerhild Hartweger, Bäuerin vom Moserhof im Mölltal erzählt, wie begeistert ihre Gäste vom Sockenstricken mit ihr sind.

Am 4. Dezember, dem Barbaratag, schneiden die Bäuerinnen in Kärnten Zweige vom Obstbaum und stellen sie in die Vase. Wenn diese bis Weihnachten blühen, so bringt das Glück und Segen.

Im Advent treiben die Krampusse, die teuflischen Wesen, ihr Unwesen in Kärnten. In den Städten kommt der Bockfüßige in Gruppen zu perfekt organisierten Krampusläufen. In die Privathäuser wird der Krampus nur selten als Begleiter des Nikolaus gelassen. Am 5. Dezember ist Krampustag, am 6. Dezember der Tag des Nikolaus und dann sieht man auch die Teuflischen erst im nächsten Jahr wieder.

Besonders weihnachtlich wird es am Bauernhof, wenn es schneit. (Foto: Urlaub am Bauernhof in Kärnten)

Das Kletzenbrot ist die traditionelle Weihnachtsspeise in Kärnten. Man ist es wie Kuchen, manche mögen es auch wie Brot mit Butter und Honig. Wie man ein Kletzenbrot bäckt, sei hier kurz beschrieben: Zutaten: 1kg Kletzen (Dörrbirnen), 1 l Wasser (zum Einweichen), 500 g Roggenmehl, 100 g Sauerteig oder 60 g Germ (Hefe)), 1 TL Salz, 1 TL Timt, 3-4 EL Honig, 2 EL Rum, 300 g Nüsse (bevorzugt Walnüsse – die hat jede Bäuerin im eigenen Garten). Zubereitung: Kletzen am Vortag einweichen. Am nächsten Tag weichkochen. Stiele und Blütenreste entfernen, dann Kletzen fein und Nüsse etwas gröber hacken. Nüsse in Rum legen. Aus Mehl, Germ (Hefe) oder Sauerteig, gut ¼ l Kletzenkochwasser und Gewürzen einen festen Teig zubereiten. Kletzen und Nüsse einkneten. Aufgehen lassen. Laib formen. Mit Wasser bestreichen. Bei 150 Grad ca. 1 ½ Std. backen. Eine Woche abliegen lassen und dann genießen.

Zum klassischen Adventbild an den Kärntner Höfen gehört eine selbst bestickte Weihnachtsdecke. Nadel, Faden, Leinen, eine gute Anleitung und ein wenig Muße sind die Zutaten. Im Landwirtschaftsmuseum von Schloss Ehrental in Klagenfurt ist eine Weihnachtsdecke ausgestellt, die nach dem Vorbild mittelalterlicher Tischbänder entstadt. Musterhefte mit schönen Stickmotiven bekommt man zum Beispiel im Kärntner Heimatwerk und so manche Bäuerin kann einem noch beibringen, wie man mit Nadel und Faden umgeht.

Zu den Raunächten (Hl. Abend, Silvester und Dreikönig) wird an den Kärntner Höfen mit Weihrauch geräuchert, um das Unglück vom Haus fern zu halten. Dazu holt der Bauer ein wenig Glut aus dem Herd und schaufelt sie in ein Räucherpfännchen. (Auf so manchem Hof tut es auch eine alte Bratpfanne). Auf die Glut kommt ein dürrer Zweig vom Osterpalmbuschen (der wird extra für diesen Zweck aufgehoben) und Weihrauch. Manche nehmen auch noch ein Büschel Kranawett (Wacholder) und ein wenig Speik (Lavendel) dazu. Nun zieht die Familienprozession (von der Uroma bis zum Wickelkind) betend durch Haus und Stall.

Beim Reindlingbacken mit der Bäuerin. (Foto: Urlaub am Bauernhof in Kärnten)

Auch der Kärntner Reindling hat an den Festtagen Saison. Dazu verwendet die Bäuerin eine „Rein“ (Backform), woher sich auch der Name des Backstückes ableitet. Reindling-Rezept von Mizzale Bacher sel., Bäuerin aus Kolbnitz im Mölltal: Teig: 500g Mehl, 30 g Germ (Hefe), 100 g Butter, ¼ Liter Milch, 2 Eier, 1 Eidotter, 70 g Zucker, etwas Salz. Fülle: Zerlassene Butter, 150 – 200 g Zucker, 2 EL Zimt, Rosinen und/oder gehackte Walnüsse nach Geschmack. Zubereitung: Dampfl (Gärprobe): Die Germ, 2 EL w*a*rme Milch, 1 TL Zucker und 1 EL Mehl verrühren, warm stellen, aufgehen lassen. Mehl mit Salz in eine Schüssel geben. Milch mit Butter erwärmen und die Eier einrühren. Dampfl ins Mehl rühren, Flüssigkeit dazu tun und mit dem Knethaken schlagen, bis  sich der glatte Teig von der Schüssel löst. Teig gehen lassen. Dann 1 cm dick ausrollen, mit zerlassener Butter bestreichen, mit Fülle belegen und eng einrollen. Nochmals aufgehen lassen. Bei 150 bis 170 Grad 1 Stunde backen.

Im Gegendtal machen sich jeden Donnerstag im Advent, sobald die Dämmerung hereinbricht, die Klöckler auf den weg. Sie ziehen von Hof zu Hof, klopfen (klöckeln) mit einem Holzscheit an die Tür und bringen, wenn sie von der Bäuerin ins Haus gelassen werden, Glück und Segen indem sie ein Klöcklerlied vortragen.

Wie man sieht, wissen die Bäuerinnen von Urlaub am Bauernhof in Kärnten noch, die alten Weihnachtstraditionen zu leben und mit den Gästen zu teilen. Besinnliche Weihnachten!

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