Kärnten Blog

Vegetarische Leckereien in Kärnten

Veröffentlicht am 09. Juni 2016 von

Kärntner Küche, da denkt man schnell an Hausmannskost, Schweinsbraten & Grammerlschmalz. Aber das ist nur ein kleiner Teil der kulinarischen Wahrheit. Ist doch das berühmteste Kärntner Gericht, das auf keiner Speisekarte fehlen darf, die Kärntner Käsnudel. Wer hier an Kässpätzle denkt, ist auf dem falschen Dampfer. Ehemals als Fastengericht serviert, ist die Käsnudel eine aus Nudelteig gefertigte Teigtasche,  traditionell gefüllt mit Topfen (der trockenen Variante des Quarks), gekochten und gepressten Kartoffeln und Minze. Im Kärntner Volksmund heißt es sogar, nur wer die Nudel gescheit krendeln kann, also die Nudeln mit einem kunstvollen Rand schließen kann, soll für die Hochzeit geeignet sein. Der Kreativität der Fülle ist seit einigen Jahren keine Grenze gesetzt. So findet man von Steinpilz- über Spinat- bis hin zur süßen Variante der Kletzennudel (Kletzen: getrocknete Birnen) die interessantesten Variationen. Abseits der Käsnudel halten sich rein vegetarische oder vegane Angebote in Kärnten noch in Grenzen. Was Österreichs südlichstes Bundesland für Vegetarier trotzdem zu bieten hat, soll der kulinarische Streifzug zeigen.

Wer nach einem Bummel durch Klagenfurts schöne Innenstadt eine Stärkung braucht, findet diese in netter Atmosphäre ein wenig außerhalb des Rings in der Rosenthaler Straße. Das „Trivida“ bietet ausschließlich vegane Speisen an.  Eine bunte Speisekarte von zünftiger Hausmannskost in Form von Kartoffelgulasch über Buchweizenpasta Aglio et Olio bis zum asiatischen Kichererbsen-Curry findet sich hier. Wer zum Abschluss gerne etwas Süßes hat, kommt mit Mousse au Chocolat oder Chia-Pudding auf seine Kosten.

Bei meinem Besuch im Trivida, entscheide mich für das Kichererbsen-Curry mit gegrillter Ananas und knusprigen Reisbällchen. Dazu gibt es eine lokal hergestellte Kräuter Limo. Das Mittagsmenü bietet heute vegane Kässpätzle. Die sehr nette und aufmerksame Bedienung zeigt, dass vegan noch erklärungsbedürftig ist. Neben Wollsocken tragenden veganen Insidern gibt die Bedienung einem anderen Gast, wohl einem Neuling auf diesem Gebiet, gerne Auskunft darüber,  wie es möglich ist, vegane Speisen ohne Käse herzustellen. Einem weiteren Gast in Arbeitskleidung genügt die Aussage, dass es „ganz normales“ Bier gebe, um sich einen Platz zu suchen.

Trivida_Klagenfurt (c)Sabrina Schütt

 

Neben dem Trivida ist das Kleeblatt eine vegetarische Größe in Klagenfurt. Hier empfiehlt sich zur Mittagszeit auf jeden Fall eine Reservierung, um in der Stube die leckeren saisonalen Speisen, wie Röhrlsalat (Löwenzahnsalat) genießen zu können.

Für unseren Streifzug verlassen wir Klagenfurt Richtung Süden und radeln entlang der Drau. Die Tour entlang des Drauradweges verlangt schon mal eine kleine Stärkung zwischendurch. Hier lohnt sich ein Abstecher in einer der am Weg liegenden Schenken, wie zum Beispiel der Mostschenke am Linsensee. Ein großes Brot mit Liptauer oder Glundnerkäse – reichlich verziert mit Paprika und Zwiebeln – schmeckt zu einem erfrischendem Glas Most ausgezeichnet.  Für Veganer empfiehlt sich allerdings, ein eigenes kleins Picknick für eine der vielen schönen Stellen am Wegesrand einzupacken.

Wer es bis zum Klopeiner See schafft, findet nach einem Sprung in den türkisblauen See im Loving Hut  eine vielseitige vegane Speisekarte. Seit Anfang Mai gibt es hier vom Weizenschnitzel über frische Salate und Wraps auch asiatische Leckereien.

Ein Ausflug in Klagenfurts Norden führt uns von der Saualm über den Längsee zum Magdalensberg. Im nahegelegenen Eberstein findet sich ein kleines Idyll mit dem passenden Namen Arche. Seit mehr als 30 Jahren hat sich die Familie Tessmann der vollwertigen und vegetarischen Küche verschrieben. „Früher nannte man das Spinner, heute eine eine kluge Geschäftsentscheidung“, erzählt Ilmar Tessmann Junior. Zu Beginn stand für seine Mutter und Gründerin des Biolandhauses die Vollwertküche im Fokus, aber die vegetarische Kost setzte sich über die Jahre durch. Gekocht wird saisonal und nach dem Motto „Es wird gegessen was auf den Tisch kommt“. Da alle Speisen, die dort landen, immer noch von Rosalinde Tessmann (79) wirklich lecker zubereitet werden, tut man das auch gern. Manchmal entscheidet die Familie erst um drei Uhr Nachmittags, was am Abend im Kochtopf landet. So bleibt die Küche immer saisonal, frisch, kreativ und spontan.

 

Arche (c)Sabrina Schütt

 

Einen klassischen Restaurantbetrieb gibt es nicht, aber wer sich vorher anmeldet, wird auch Mittags nicht mit einem leeren Magen vom Hof gehen. So bekommen wir ein ausgezeichnetes 4-Gänge-Menü gezaubert. Mit Salat, Rettich und Ziegenkäse von der Nachbarin, gefolgt von einer Quinoa-Linsensuppe. Zur Hauptspeise gibt es dann ein dreierlei von Kichererbsen-Pakoras, Wirsing-Dinkel-Spaghetti und meinem ersten Spargel der Saison mit Soja-Hollondaise. Den krönenden Abschluss bildet ein Stück hausgemachter Apfelstrudel und eine mit Nuss gefüllte Birne.

Zwischen Saualpe und Magdalensberg  findet sich der kleine aber feine Längsee und eine gute Adresse für ein erstklassiges Abendessen. Der Steirer Markus Rath und seine Frau haben 2014 das Restaurant auf dem Weingut Georgium gepachtet. In rustikalem, aber modernem Ambiente zaubert Markus Rath mit seinem kleinen Team saisonale Köstlichkeiten. 70-80% des Gemüses kommen dabei aus den eigenen Gemüsegärten in der Steiermark und in Kärnten. Wer ein ganzes vegetarisches Menü genießen möchte, gibt diesen Wunsch am Besten bei der Reservierung an. Ansonsten finden sich auf der Kreidetafel mindestens drei bis vier vegetarische Gerichte, wie Risotto oder Nudel.  Da die Frische der Zutaten dem Koch besonders wichtig ist, heißt es bei der aktuellen Tageskarte: „Genießen, solange der Vorrat reicht“. Dann wird das Gericht kurzerhand von der Kreidetafel gestrichen oder ersetzt. Zum Essen empfiehlt Markus Rath einen Birnenschaumwein vom Weingut Georgium. Nach dem Champagnerverfahren wird aus dem Most der Speckbirne (trotz des Namens so vegetarisch wie ein veganes Schnitzel) ein besonderer Sekt hergestellt. Besonders ist nicht nur dieser Sekt, sondern auch der Wein des Georgiums, das biodynamischen Weinanbau betreibt. An diesem schönen Platz kann ich mir gut vorstellen, einen lauen Sommerabend bei einem guten Glas Wein ausklingen zu lassen.

 

Rathaus Längsee (c)Neumüller

Ein letzter Abstecher bringt uns an den Fuß des Magdalensberg. Die hausgemachte Besonderheit des Josefwirt ist die vegane Käsnudel, die vom jungen Wirt Peter Grabuschnig und seiner Schwester eigenhändig hergestellt wird. Auf der Speisekarte  finden sich weitere ausgefallene „Kas“-Nudelvariationen, wie zum Beispiel meine Wahl: Tomaten-Hüttenkäse, Lauch-Karotte und Kartoffel-Bergkäse.

Josefwirt (c) Sabrina Schütt

Neben der sich saisonal verändernden Nudelkarte gibt es auch ein täglich wechselndes vegetarisches Menü. Auch wer gerne grillt, kommt hier auf seine Kosten. In einer Gartenhaus ähnlichen Hütte reicht der Wirt Grillplatten auch gerne vegetarisch. Während man im Sommer wohl lieber draußen sitzt, kann ich mir im Winter ein gemütliches Beisammensein in geselliger Runde sehr gut vorstellen.

Weil mir die Nudeln so gut geschmeckt haben, nehme ich aus der hauseigenen Nudelmanufaktur auch gleich ein paar für zu Hause mit. Bei veganen Nudeln oder größeren Menge ist eine Vorbestellung erwünscht.

Mein Fazit. Rein vegetarische Restaurants und Gastwirte gibt es kaum, aber dank dem wieder aufkommenden Bewusstsein für saisonales und regionales Essen findet sich doch immer häufiger vegetarische Alternativen neben der klassischen Käsnudel auf der Speisekarte.

Und: Ich wünsche einen guten Appetit.

 

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